berufsfotografen.com - PROFESSIONELLE FOTOGRAFIE 2022

In seiner jährlichen Befragung deutscher Fotografen geht berufsfotografen.com der Frage nach, wie sich die Situation in der professionellen Fotografie im Laufe der Zeit verändert. Wie entwickeln sich die Honorare und welche Trends und neuen Anforderungen gibt es im Arbeitsalltag? Jetzt liegen die Ergebnisse für 2022 vor.

Bei der aktuellen Umfrage von berufsfotografen.com stand vor allem die Frage im Vordergrund, welche Auswirkungen die Corona-Ausnahmesituation der letzten zwei Jahre auf die professionelle Fotografie hat. Gibt es zum Beispiel weniger Berufseinsteiger und neu angemeldete Gewerbe? Geben vermehrt Fotografen auf und wechseln in andere Berufe?

Spannend ist natürlich auch die Frage, ob sich die professionelle Fotografie durch Corona in einer Transformation oder eher in einer Schockstarre befindet. Und vor allem auch, wie die Auftragslage wieder anzieht, seit es immer mehr Lockerungen der Corona Vorsichtsmaßnahmen gibt.

Darüber hinaus beschäftigt sich die Umfrage aber auch mit dem Berufsalltag im Speziellen und zeigt auf, wie die Fotografen die derzeitige Situation und die nächsten Monate einschätzen.

 

DIE AUSWIRKUNGEN VON CORONA

Nach zwei Jahren in einer großen Ungewissheit scheint 2022 das Jahr zu werden, in dem die professionelle Fotografie wieder Fahrt aufnimmt. Mit den Lockerungen der Kontaktbeschränkungen werden Shootings einfacher durchführbar und vor allem auch für Auftraggeber wieder planbarer. Wie schnell jetzt eine Erholung in Bezug auf die Auftragssituation einsetzt, wird von vielen Faktoren abhängig sein. Auch wird erst in den nächsten Monaten erkennbar werden, ob Firmen und Privatpersonen überhaupt einen größeren Nachholbedarf an Fotoaufnahmen haben.

Wie hat sich die wirtschaftliche Lage während Corona verändert? Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Corona die meisten Fotografen hart getroffen hat. So gab es einen deutlichen Umsatzrückgang in vielen Arbeitsbereichen.

 Und dennoch gab es während der Pandemiezeit deutliche Unterschiede von Fotograf zu Fotograf. So hat ein gutes Drittel der Fotografen wieder mehr Aufträge als in den ersten Monaten nach dem Ausbruch von Corona. Dies dürften vor allem die Arbeitsbereiche sein, die kontaktarm sind und bei denen es einen stetigen Bedarf an Bildern gibt. Produktfotografie oder Architekturfotografie dürften dazu gehören. Im Vergleich mit der Vorjahresbefragung gibt es jetzt weniger Fotografen, denen es deutlich schlechter oder auch deutlich besser geht. Der Anteil der Fotografen, die die Lage ähnlich oder etwas schlechter als zu Beginn von Corona sehen, ist dafür gewachsen.

Besorgniserregend hingegen ist der hohe Prozentsatz von 43% der Fotografen, für die sich die derzeitige Auftragslage schlechter als zu Beginn der Coronapandemie darstellt.

Gefragt wurde, wie Fotografen die eigene Belastung in den eigenen Arbeitsbereichen wahrnehmen und wie stark die Auswirkungen auf Fotografenkollegen sind.

Wie im letzten Jahr auch halten die Fotografen die eigene Belastung in den jeweiligen Arbeitsbereichen für deutlich stärker als die ihrer Kollegen. Diese Unstimmigkeit lässt sich wohl eher psychologisch erklären, als durch unterschiedliche Arbeitsbereiche oder andere berufliche Gründe.

Im Vergleich mit dem Vorjahr gaben immerhin nur noch 29% an, wirtschaftlich sehr starke Auswirkungen zu erleben (Vorjahr 35%), was auf eine leichte Erholung hinweist.

Im Vergleich zum Vorjahr gab es in 2021 deutlich weniger Auftragsstornierungen. So lag der Wert im Vorjahr bei 42% (sehr viele) deutlich über den 26% in diesem Jahr. Es scheint, als würden Fotografen und Auftraggeber wieder verlässlicher Termine abstimmen können.

Und auch wenn die Auftragsstornierungen weniger geworden sind, ist der Prozentsatz von verschobenen Aufträgen auf einem hohen Wert. Lediglich 35% der Fotografen hatten aufgrund von Corona wenige oder überhaupt keine verschobenen Aufträge.

In der angespannten Situation sind Zahlungsausfälle noch gravierender und ärgerlicher als sonst. Immerhin 70% der Fotografen hatten diesbezüglich überhaupt keine Probleme, 7% der Fotografen berichteten von sehr vielen Ausfällen, bei denen Auftraggeber Corona als Grund genannt haben.

Hatten in 2020 nur 8% der Fotografen angegeben, dass Kunden Preise drücken wollten, liegt der Wert mittlerweile bei 13%. Scheinbar sind Auftraggeber in den letzten zwei Jahren preissensibler geworden oder versuchen den Kostendruck an den jeweiligen Fotografen weiter zu geben.

Im Vergleich mit den Vorjahren ist der Anteil der Fotografen, die aus ihrem Betriebsvermögen länger als 12 Monate überleben können, deutlich gestiegen und liegt mit 16% weit über dem Wert von 5% des Vorjahres. Da sich die Angaben, wie lange Fotografen aus dem Privatvermögen überleben können, nicht gleichfalls erhöht haben, dürfte diese Entwicklung weniger auf Rücklagen, sondern vielmehr auf Einsparungen im betrieblichen Ablauf zurückzuführen sein. Wenn die laufenden Kosten geringer sind, kann man natürlich mit weniger Umsatz deutlich länger den Betrieb weiterführen.

Gravierend ist die Situation für diejenigen, die “0 Monate” finanzielle Reserven haben. Diese Fotografen sind auf die laufenden Einnahmen angewiesen, um beruflich überleben zu können.

Im Vergleich mit dem Vorjahr ist die Anzahl der Fotografen, die Hilfen in Anspruch genommen haben, leicht gestiegen und liegt jetzt bei rund 50%. Durchschnittlich haben die Fotografen 9.105 € an Hilfsgeldern erhalten.

Bei 46% wurden beantragte und ausgezahlte Beträge zurückgefordert. Im Schnitt mussten Fotografen von den ausgezahlten Beträgen 5.700 € zurückzahlen, die unberechtigt beantragt wurden.

Schaut man sich die Zahlen der Handwerkskammer an, sind bei den Abmeldungen der Handwerksbetriebe keine gravierenden Auswirkungen zu erkennen. So gab es 2020 lediglich 50-100 mehr Betriebsabmeldungen, als ohne Corona zu vermuten gewesen wäre. Dies liegt im Bereich von wenigen Prozentpunkten.

Gab es im Jahr 2001 lediglich 4562 fotografische Betriebsstätten, waren es 2011 schon 13.190 und im Jahr 2021 mit 37.854 fast zehn mal so viele. Dadurch ergibt sich über die letzten zehn Jahre ein jährlicher Zuwachs von durchschnittlich 11,4%. Damit gehört das Fotografenhandwerk zu den Berufen mit dem stärksten Wachstum im Bereich des Handwerks, auch wenn es in den letzten zwei Jahren deutlich weniger Betriebsgründungen im Bereich der Fotografie gab.

BERUF FOTOGRAF

In den vergangenen Jahren gab es stets eine Mehrheit, bei der die Auftragslage positiv war. So gab 2019 die größte Gruppe noch an, dass die Auftragslage “gut” sei. 2020 hingegen hatte die Mehrheit der Fotografen eine “schlechte” Auftragslage. In 2021 nun gibt es eine eher gleichmäßige Verteilung über alle Einschätzungen von “sehr gut” bis “besorgniserregend”.

Und dennoch kann man im Vergleich zum Vorjahr eine leichte Entspannung ablesen. Deutlich mehr Fotografen haben eine “gute” oder “sehr gute” Auftragslage (knapp 40%) und rund 10% weniger Fotografen haben angegeben, eine “schlechte” oder “exist- enzbedrohende” Auftragslage zu haben. Auch wenn diese Werte noch unter denen aus dem Jahr 2019 liegen, ist hier eine positive Tendenz ablesbar.

Die meisten Fotografen sind mit “Herz und Seele” Fotograf und so wundert es nicht, dass die Lieblingsstrategie ist, sich innerhalb der Fotografie nach neuen Arbeitsbereichen umzusehen. 64% finden diese Idee gut.

Sich als Fotograf anstellen zu lassen ist hingegen nur für 16% eine Option. Mit 30% der Befragten würden fast doppelt so viele lieber einen anderen Beruf ergreifen, als angestellt zu arbeiten. Ob dies an den wenigen Stellen für angestellte Fotografen liegt und somit an den geringen Erfolgsaussichten auf eine Festanstellung, oder eher an dem Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung, oder auch an dem oft überschaubaren Gehalt als angestellter Fotograf, lässt sich nicht sagen.

Auch wenn der Anteil mit 17% gering ist, gibt es Fotografen, die feste Arbeitszeiten haben. Der Großteil arbeitet, wie in den Jahren zuvor, je nach Auftragslage unregelmäßig und gelegentlich auch am Wochenende. Ähnlich ist der Anteil der Fotografen geblieben, die ortsunabhängig arbeiten. Scheinbar hat Corona nicht dazu geführt, dass mehr Fotografen räumlich flexibler akquirieren und auch außerhalb der gewohnten Region arbeiten.

Wurden in den Vorjahren einzelne Kosten wie Gehälter, Leasingraten, Versicherungen, Studiomiete und Sonstiges abgefragt, konnten Fotografen dieses Jahr die monatliche Belastung als eine Zahl angeben. Hier unterschieden sich die Angaben enorm. Von Fotografen im Homeoffice mit wenigen hundert Euro Kosten bis hin zu Fotografen mit Studio und Angestellten, die einige 10.000€ an monatlichen Fixkosten haben. Durchschnittlich haben die Fotografen monatliche Kosten von maximal 2.000€.

Durchschnittlich ist ein freiberuflich arbeitender Fotograf fünf Tage im Monat mit Fotografieren beschäftigt, zwei bis drei Tage mit der Vorbereitung und 45 Tage mit der Nachbereitung des Shootings. Diese Werte haben sich zum Vorjahr nicht verändert.

Immerhin 32% der Fotografen gaben an, zeitlich ausgelastet zu sein. 40% hingegen könnten wesentlich mehr Jobs annehmen.

Auch wenn es für viele Fotografen eine unliebsame Aufgabe ist, entscheidet die Kundenakquise maßgeblich darüber, wie sich die wirtschaftliche Situation verändert. 22% der Fotografen planen dafür überhaupt keine Zeit ein, 29% zumindest einen Tag und weitere 20% maximal zwei Tage. Gerade wenn man sieht, wie viele Fotografen über eine zu geringe Auslastung klagen, gibt es hier viel Spielraum, um aktiv neue Auftraggeber zu gewinnen.

Freie Arbeiten sind eine gute Möglichkeit, um seine fotografische Handschrift weiter zu entwickeln, um sich bei potenziellen Auftraggebern ins Gespräch zu bringen und natürlich auch, um die Freude am kreativen Prozess zu erhalten. Und dennoch machen 32% der Fotografen überhaupt keine freien Arbeiten und weitere 27% beschäftigen sich maximal einen Tag im Monat damit. Scheinbar überwiegt der Druck des Alltags oder nach Freizeit den Wunsch nach freien Arbeiten.

Ein Drittel der Fotografen hat eine handwerkliche fotografische Ausbildung, gefolgt von Absolventen von Hochschulen. Beim Anteil der an privaten Fotoschulen ausgebildeten Fotografen hat sich nichts geändert. Dafür ist der Anteil der Quereinsteiger / Autodidakten um 5% zurückgegangen. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass sich weniger Quereinsteiger während Corona selbstständig gemacht haben oder vermehrt Fotografen aus diesem Segment aufgegeben haben.

Optimal vorbereitet in das Berufsleben zu starten ist gerade bei Selbstständigen kaum möglich. Viele Fragen und Herausforderungen ergeben sich erst im Laufe der Zeit. Eine solide und möglichst umfassende Ausbildung schafft die Grundlage dafür, dass man als Fotograf auf das Berufsleben gut vorbereitet ist.

Mit etwas zeitlichem Abstand und zunehmender beruflicher Erfahrung lässt sich dann recht gut einschätzen, wie zielführend die eigene berufliche Ausbildung war. Vor allem in der Gruppe der handwerklich ausgebildeten Fotografen gibt es eine Diskrepanz, denn obwohl 32% der Fotografen eine Lehre gemacht haben, sehen nur 14% diesen Weg als beste Option an. Die Kombination “Studium und Assistenzen” wurde zudem achtmal häufiger genannt als “Lehre und Assistenzen”.

Rückblickend hätten sich 24% der Fotografen gewünscht, bei erfolgreichen Fotografen durch Assistenzen praxisnah zu lernen, anstatt eine Schule oder ein Studium zu absolvieren.

Als größten Fehler beim Start in die Selbständigkeit wurden neben zu wenigen Assistenzen vor allem auch der Wunsch zu mehr Mut und Durchsetzungsfähigkeit genannt. Als einen der großen Fehler wurde häufig auch genannt, sich zu wenig mit Akquise beschäftigt zu haben.

Die Fotografie war immer schon ein begehrter Ausbildungsberuf und Ausbildungsplätze dementsprechend knapp vorhanden. Allein in den letzten zehn Jahren hat sich die Anzahl der ausbildenden Betriebe mehr als halbiert. Würde es mit dieser Dynamik in den nächsten Jahren so weitergehen, würde der letzte ausbildende Betrieb noch vor 2030 die Ausbildung von Fotografengesellen aufgeben.

Diese Entwicklung steht völlig gegensätzlich dazu, dass die Anzahl der Fotografen im gleichen Zeitraum kontinuierlich und deutlich gewachsen ist. Obwohl es also immer mehr Betriebsgründungen gibt, gibt es immer weniger ausbildende Betriebe.

Gab es im Jahr 2001 noch 1363 Betriebe, die knapp 2400 junge Menschen im Bereich Fotografie ausgebildet haben, sind es Ende 2021 nur noch 475 Betriebe und 760 Auszubildende.

 Auf die letzten 20 Jahre gerechnet nimmt die Anzahl der Betriebsstätten jährlich um 41 Betriebe ab, auf die letzten 10 Jahren gerechnet sogar durchschnittlich um 63 Betriebe pro Jahr.

Corona hat scheinbar zu einem noch stärkeren Rückgang der Anzahl der Ausbildungsstätten geführt. Allein im Jahr 2020 gab es 96 ausbildende Betriebe weniger, 2021 83 Betriebe.

Mit der geringer werdenden Anzahl der Ausbildungsbetriebe sinken natürlich auch die Zahlen der Auszubildenden. Diese haben 2021 mit 760 Lehrlingen einen Tiefstand erreicht. Vor 20 Jahren waren es rund 1600 Auszubildende mehr. Annähernd konstant ist über die letzten 20 Jahre die Anzahl der Lehrlinge pro Betrieb geblieben. Diese lag 2001 bei 1,76 und 2021 bei 1,6 Personen / Betrieb.

AUFTRAGSKALKULATION

Es gibt kaum zwei Fotografen, die einen Auftrag ähnlich kalkulieren. Dies liegt an vielen Faktoren, unter anderem unterscheiden sich die monatlichen Kosten oft erheblich. Ein Fotograf mit Studio und Angestellten in einer Großstadt hat andere Ausgaben und oft einen völlig anderen Tagessatz als jemand, der alleine aus dem Homeoffice auf dem Land arbeitet.

Auch unterscheidet sich die zeitliche Kalkulation von Fotograf zu Fotograf deutlich. So kalkulieren manche für 10 Aufnahmen einen halben Tag, andere hingegen mehrere Tage.

Da viele Fotografen die Höhe der Kalkulation zudem an die angenommene Kaufkraft desmjeweiligen Kunden anpassen, gibt es einfach keine einheitlichen Werte in Bezug auf eine Auftragskalkulation. Auftraggeber sehen sich dann mit Angeboten konfrontiert, bei denen ein Angebot bei einem Vielfachen eines anderen liegt.

Pauschalpreise sind für mache Fotografen ein einfacher und guter Weg. Für andere Fotografen sind dafür Nutzungsrechte ein wichtiges finanzielles Standbein. Für Auftraggeber hingegen sind Pauschalpreise inklusive zeitlich, räumlich und inhaltlich unbegrenzter Nutzungsrechte eine gute Sache. Sie kaufen dann einmal die Dienstleistung und müssen sich um spätere Lizenzierungen der Bilder keine Gedanken mehr machen.

In den letzten Jahren gab es hier kaum eine Veränderung hin zu mehr Pauschalpreisen. Die Mehrheit der Fotografen kalkuliert aber zumindest gelegentlich ein Shooting inklusive aller Nutzungsrechte zu einem Pauschalpreis. Ein Angebot mit einem Pauschalpreis und begrenzten Nutzungsrechten ist für den Auftraggeber weniger attraktiv und bedarf oft weiterer Verhandlungen mit dem Kunden. Somit nutzen diese Variante deutlich weniger Fotografen.

Manche Fotografen haben standardisierte Preise. Da ist es unerheblich, ob eine große Firma oder eine Einzelperson die Dienstleistung in Anspruch nehmen möchte. In vielen Arbeitsbereichen aber bietet sich dies nicht an. Auch, weil kleinere Firmen oft das geforderte Honorar nicht zahlen würden. 36% der Fotografen passen ihre Auftragskalkulation deshalb an den jeweiligen Kunden an und steuern damit auch etwas die eigene Auslastung.

Wie viel ein Fotograf bei einem durchschnittlichen Auftrag berechnet, schwankt zwischen wenigen Hundert Euro und einigen Zehntausend. Ein durchschnittliches Auftragsvolumen im Bereich Fotografie ist kaum feststellbar. Zu stark unterscheiden sich die einzelnen Arbeitsbereiche voneinander.

Wie in den letzten Jahren auch ist die Mundpropaganda der wichtigste Weg, neue Kunden zu akquirieren. Dies deckt sich auch mit den Wünschen der Auftraggeber nach einem professionellen, sympathischen Fotografen.

Werbeanzeigen oder PDF Aussendungen liegen weit abgeschlagen noch hinter Social Media zurück. Der gute alte Kundenkontakt über Telefon oder persönliche Treffen brachte 2021 immerhin 29% der Fotografen viele Aufträge ein und ist eine der günstigsten und unkompliziertesten Akquisemöglichkeiten. Leider kostet sie natürlich etwas mehr Überwindung als die anderen Werbeformen.

Auf welcher Grundlage kalkulieren Fotografen Aufträge? Manche Fotografen haben eigene Listen, andere orientieren sich an Tabellen und Onlinerechnern. Der Großteil der Fotografen kalkuliert aber weiterhin aus dem Bauch heraus und mit Hilfe der eigenen Erfahrung. Da die Fotografie eine individuelle, handwerkliche oder künstlerische Dienstleistung ist, muss der Fotograf den Aufwand für die Aufnahmen immer an die Wünsche der Kunden anpassen.

Während bei einem Drittel der Fotografen ein Shootingtag keine zeitliche Begrenzung hat, verlangen andere nach acht oder spätestens nach zehn Stunden overtime. Da es hier keine einheitliche Regelung gibt, ist es empfehlenswert, dies unbedingt vorab mit dem Auftraggeber zu besprechen.

Wie viel Geld haben Fotografen in die Ausrüstung investiert? Bei der Beantwortung dieser Frage gab es riesige Unterschiede. So arbeiten einige Fotografen lediglich mit einer einfachen Kamera und einem Rechner und gaben an, lediglich 2.000€ in Technik investiert zu haben. Andere dagegen haben weit über 100.000€ an Equipment. Der durchschnittliche Fotograf hat 40.300€ in sein Equipment investiert. Der größte Anteil ist die Kamera, gefolgt von Licht und Computertechnik.

GELD VERDIENEN IN DER FOTOGRAFIE

Viele Fotografen lieben diesen Beruf und haben ihn nicht gewählt, um damit reich zu werden. Dennoch müssen natürlich die Rechnungen gezahlt werden. Die Angaben zu den Jahresbruttoumsätzen der Fotografen geben einen guten Einblick, wie die wirtschaftliche Situation derzeit wirklich ist. Bei den Tagessätzen gab es seit Corona keine deutlichen Verschiebungen. Weder, dass die Tagessätze gefallen sind, noch gestiegen sind. Die derzeitige Inflation wird sicher zu größeren Anpassungen in den nächsten Monaten führen.

 Wie hoch der Tagessatz eines Fotografen ist, lässt sich pauschal nicht beantworten. Neben den unterschiedlichen Arbeitsbereichen spielt die Kaufkraft des Auftraggebers eine große Rolle. Deshalb unterscheidet die Befragung zwischen Werbung, redaktionellen Aufnahmen und Fotos für Privatkunden  . Die höchsten Tagessätze haben Fotografen, die im Bereich der Werbung für Agenturen oder in der Industrie arbeiten. Bei redaktionellen Aufnahmen hingegen werden immer schon niedrigere Tagessätze gezahlt. Im Durchschnitt liegen Fotografen hier bei ungefähr 800€ am Tag. Bei der größten Gruppe der Fotografen hingegen, die in der Werbung arbeiten, liegt der Tagessatz zwischen 1.000 und 1.499€.

Bei den Brutto-Jahreseinkommen der selbstständigen Fotografen wird deutlich, dass eine Mehrheit deutlich zu kämpfen hat. Hier liegen die Bruttoeinnahmen unter denen einer Festanstellung als Fotograf. Wie in den letzten Jahren auch gibt es aber auch am anderen Ende die Fotografen, denen es wirtschaftlich gut geht. 18% der Fotografen haben einen Jahresumsatz von über 100.000€, 8% sogar von über 150.000€.

Diese Verteilung ist nicht nur in der Fotografie zu erkennen. So gibt es quer durch alle Branchen unter den Selbstständigen diese Extreme, bei denen knapp 20% gut verdienen und eine Mehrheit im eher unteren Verdienstsegment liegt.

Da die Umsätze über 150.000€ in der Befragung nicht mehr einzeln erfasst wurden, lässt sich der durchschnittliche Jahresbruttoumsatz mit 43.000€ nur ungefähr ermitteln. Das durchschnittliche Jahresbruttoumsatz liegt laut Umfrage bei 43.000€ und deckt sich damit grob mit den Angaben des Statistischen Bundesamtes.

Da beim Statistischen Bundesamt die Kleinbetriebe mit geringen Umsätzen herausfallen, liegt der durchschnittliche Jahresumsatz höher als bei unserer Befragung. Bei einer Betriebsgröße von unter 5 Personen lag er laut Bundesamt im Jahr 2019 bei 46.140€. Auf alle Betriebsgrößen gerechnet lag er laut Statistischem Bundesamt dann bei 59.126€. Anzumerken ist hierbei, dass beim Statistischen Bundesamt nur Betriebe erfasst wurden, deren Einkommen über 17.500 €  (neu über 22.000€) lag. Es wurden dadurch lediglich 14.010 tätige Personen in 5.646 Handwerksunternehmen erfasst, was deutlich unter den 32.522 in der Handwerkskammer gemeldeten Betrieben liegt.

Doch was ist mit den 26.876 angemeldeten Betrieben, bei denen das Einkommen unter 17.500€ lag? Es kann sich dabei entweder um Fotografen handeln, die nur gelegentlich im Nebenerwerb tätig sind, oder natürlich auch um Betriebe, die nicht mehr existent und nicht abgemeldet wurden. Würde man diese über 26.000 mit geringem Einkommen zu den 14.010 vom Bundesamt erfassten Personen hinzurechnen, läge der vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte Jahresumsatz deutlich niedriger.

 Wie hoch ist der durchschnittliche Tagessatz und Jahresumsatz von Fotografenkollegen? Die befragten Fotografen gaben an, dass ihre Kollegen im Durchschnitt einen Tagessatz von 1.100€ haben. Dies liegt  je nachdem ob es um Fotografen aus der Werbung oder aus dem privat- oder redaktionellen Bereich handelt – etwas unter oder etwas über den Angaben der Fotografen zur eigenen Höhe des Tagessatzes.

Interessanterweise haben Fotografen den Jahresbruttoumsatz ihrer Kollegen mit 71.000€ deutlich höher geschätzt, als den eigenen. Dieser lag im Schnitt nur bei ungefähr 43.000€. Fotografen scheinen davon auszugehen, dass ihre Kollegen deutlich mehr arbeiten als sie selber.

Bei der Frage, wie hoch der Tagessatz eines Fotografenkollegen ist, wenn er richtig gut im Geschäft ist, ergab sich eine große Spann- breite. Und doch kann man sagen, dass ein Fotograf mit einem Tagessatz von 3.500€ von den meisten Fotografenkollegen als Topverdiener angesehen wird.

Obwohl fast ausschließlich freiberufliche Fotografen an der Befragung teilnahmen, wurde auch abgefragt, wie hoch die Gehälter von festangestellten Kollegen sind. Die Angaben lagen in der Spitze bei 100.000€, aber meist weit tiefer. Bei einigen sogar im Bereich des Mindestlohnes von etwas über 20.000€. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass das durchschnittliche Bruttogehalt eines festangestellten Fotografen 2021 bei 3540€ lag.

Der Tagessatz eines Fotoassistenten lag 2021 zwischen 250 und 400€. Der rechnerische Durchschnittswert liegt bei 310€ Bei einer Befragung auf Fotoassistent.de hat sich 2022 ein ähnliches Bild ergeben. Hier lag der durchschnittliche Tagessatz für einen Fotoassistenten bei 320€ und bei einem Assistenten, der vor allem das Digitale am Set betreut, bei durchschnittlich 410€.

Wie handhaben Fotografen unerlaubt verwendete Bilder und wie häufig kommt dies vor? Bei diesem Punkt teilen sich die Fotografen in zwei Gruppen. Die eine kümmert sich überhaupt nicht um die Verfolgung von unerlaubt verwendeten Bildern. Und die andere stellt entweder alleine eine Rechnung (36%) oder gibt den Vorgang an einen Anwalt (28%). Über einen Drittanbieter lassen nur wenige Fotografen ihre Rechte vertreten. Eine unterlassene Namensnennung verfolgen lediglich 54% der Fotografen. Von diesen berechnen dann 75% dem Kunden 100% Aufschlag. Es gibt einige wenige Fotografen, die jährlich hunderte Fälle von Urheberrechtsverletzungen haben und diese auch verfolgen. Beim Großteil der Fotografen kommt es jährlich zu überhaupt keinem oder nur sehr wenigen Fällen.

Womit machen Fotografen die größten Umsätze? In der Fotografie gibt es viele Möglichkeiten, um mit Dienstleistungen außerhalb von Shootings Geld zu verdienen. So kann man sein Studio als Mietstudio vermieten, Kameras und Equipment verleihen, Stockbilder produzieren, Bildbearbeitung anbieten, für andere Fotografen die Organisation von Produktionen übernehmen, Locations scouten, als Fotoassistent arbeiten oder auch Workshops geben. Und dennoch haben diese Punkte eher einen kleinen Anteil an den Umsätzen der Fotografen. Neben den Shootings verdienen die Fotografen vor allem mit Bildbearbeitung und durch die Einräumung von Nutzungsrechten.

Fazit

Was sind die aktuell lukrativsten Bereiche für Fotografen? Vor der Coronazeit lagen Hochzeiten auf dem ersten Platz, im letzten Jahr hingegen waren es Industrieaufnahmen, und Hochzeitsaufträge waren auf den vierten Platz gerutscht. Mittlerweile sind Hochzeitsshootings wieder auf Platz 1. Das spricht dafür, dass mit den Lockerungen der Kontaktbeschränkungen auch die Fotografie in diesem Bereich wieder deutlich Fahrt aufnimmt. Am meisten Spaß machen den Fotografen vor allem die Bereiche, die Kontakt mit anderen Menschen bringen.

Jetzt, wo die Kontaktbeschränkungen nach und nach aufgehoben werden, werden die Karten neu gemischt und Akquise bei Alt und Neukunden wird in 2022 wichtiger denn je. Als Fotograf sollte man sich nicht darauf verlassen, dass die Auftraggeber, für die man vor der Pandemie gearbeitet hat, sich automatisch melden werden. Menschen empfehlen andere Menschen gerne weiter, wenn sie ihnen sympathisch sind. Eine aktive, telefonische oder noch besser persönliche Akquise ist in den nächsten Monaten wichtiger denn je.

Quelle: berufsfotografen.com